Zukunftsperspektiven des Tischlerhandwerks

Zu den klassischen Betätigungsfeldern des Tischlers zählen unter anderem die Herstellung von Möbeln sowie die Durchführung von Innenausbauten. Aber in genau diesen Bereichen hat sich innerhalb der letzten Jahrzehnte eine starke Konkurrenzsituation mit industriell produzierenden Massenherstellern etabliert. Dem hieraus resultierenden Preisdruck konnten viele traditionell arbeitende Tischler nicht standhalten, woraufhin Marktanteile verloren gingen. Diese dramatische Situation erfordert in vielerlei Hinsicht ein Umdenken.

Bei Standardmöbeln weicht derzeit ein Großteil der Kunden auf die günstigeren Angebote von Möbelhäusern aus. Aber genau hier liegt auch die Chance des Holzhandwerks. Einer Industrieanlage fehlt die Flexibilität, um gezielt auf spezielle Wünsche eingehen zu können. Im kleinen oder mittleren Tischlerbetrieb ist hingegen die kreative Lösung von nicht standardisierten Problemen ein zentraler Punkt des unternehmerischen Handelns. Der Tischler sollte sich demnach auf Sonderanfertigungen konzentrieren. Dabei sind zwei Fälle zu unterscheiden. Erstens können die Maße einer Wohnung oder bereits vorhandene Einrichtungsgegenstände den Einsatz von Massenware verhindern. Der Handwerker stellt dann ein speziell auf die Verhältnisse zugeschnittenes Produkt her. Die zweite Möglichkeit besteht in der Fertigung von edlen, exklusiven Möbeln. Hierbei handelt es sich um Fabrikate, die mit viel Liebe zum Detail und unter Verwendung teurer Ausgangsmaterialen realisiert werden. Das Resultat sind Unikate, die neben ihren funktionalen Eigenschaften auch die Gestaltung des Raumes sowie dessen Atmosphäre positiv beeinflussen.

Ähnliche Überlegungen treffen auch für Türen, Fenster und den Innenausbau zu. Hier wird jedoch die rein materielle Komponente des eigentlichen Produktes durch Montagedienstleistungen ergänzt. Der Tischler stellt die benötigten Bauteile nur dann selber her, falls diese nicht bereits günstig erhältlich sind. Der Tätigkeitsschwerpunkt liegt dann aber in deren Installation. Der Handwerker verkauft reine Arbeitskraft an den Kunden.

Aber nicht nur auf Seite der Produktpalette ist ein Umdenken erforderlich. Hiermit muß stets auch eine psychologische und technische Anpassung einhergehen. Um den Wettbewerbsvorteil seiner Flexibilität ausspielen zu können, sollte der moderne Tischler über ausreichend soziale Kompetenz verfügen. Er muß im kleinen Team Lösungen erarbeiten, diese anschließend mit den Vorstellungen des Kunden kombinieren und letztendlich präsentieren können. Zur Beschleunigung bestehender Arbeitsprozesse ist der Einsatz neuester, gegebenenfalls computergestützter Maschinen unabdingbar. Nur auf diesem Weg können in kurzen Zeiträumen die ungewöhnlichsten Aufträge realisiert werden.

Die Tischlerei der Zukunft wird sich also in zunehmendem Maße auf die kundenindividuelle Herstellung konzentrieren müssen. In diesem Zusammenhang gewinnt das Angebot verschiedener Beratungs- und Montagedienstleistungen an Gewicht. Wenn zusätzlich betriebsintern die Basis dafür geschaffen wird, um die vorhandene Kreativität und Flexibilität auszuspielen, besitzt das Tischlerhandwerk eine Position innerhalb der Marktwirtschaft, von der es nicht ohne weiteres verdrängt werden kann. Auf Basis einer solchen Perspektive erscheint für junge Menschen eine tiefergehende Informationsbeschaffung und gegebenenfalls die Aufnahme einer Ausbildung als lohnenswert.

 

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